konzept

Allgegenwärtig teilen Menschen immer häufiger und bereitwillig Bilder mit ihren persönlichen Sujets und Lebensmomenten nicht nur mit Vertrauten, sondern zunehmend mit Fremden. Dies geschieht vor allem digital in den Sozialen Medien. Mit der Gruppenausstellung ‚Unter vielen Augen. Privatbilder von gestern und heute‘ wird der Frage nachgegangen, wie wir Rezipienten auf eben jene Bilder reagieren, die uns eigentlich nichts angehen. Hierfür wurden exemplarisch zwei gegenwärtige Positionen und eine aus dem letzten Jahrhundert ausgewählt.

Clara Delarue ist das Pseudonym unter dem eine Fotografin (*1976) aus der Schweiz auf Instagram ihrer Kreativität ein Ventil verschafft. Dort veröffentlicht sie fast täglich, was sie mit dem Smartphone und der Kamera fotografiert und generiert: unspektakuläre Orte und Details ihrer Stadt Bern, Freunde und sich selbst. Die Bilder entstehen teils spontan, teils durch Inszenierung. Mit ihrer Art von Humor, Poesie und Melancholie verführen sie den Blick des Betrachters. Was privat, öffentlich, real und fiktiv ist, steht nicht mehr fest. Im realen Raum realisiert Clara Delarue zum ersten Mal eine multimediale Installation.

Frederike Brockes (*1976) Acryl-Gemälde wurden bis jetzt in ihrem Atelier in Görlitz und ab und an außerhalb ausgestellt. Die Sujets ihrer Arbeiten entnimmt sie aus ihrem familiären Umfeld, sowohl dem gegenwärtigen als auch dem vergangenen. Es entstehen Stillleben mit Blumen oder Kuchenstücken und Selbstporträts als Kind bzw. Jugendliche. Obwohl diese zwei Genre sich in der klassischen Gattungshierarchie fern stehen, werden sie von Frederike Brocke gleich behandelt. D.h. die Sujets werden isoliert und die ganze Leinwand einnehmend dargestellt, die Farbpalette ist reduziert bzw. dominieren gedämpfte Töne.

Hans Feil (1923-2004) war ein passionierter Autodidakt aus Heidelberg, der verschiedene Kameraformate nutze, um die eigene fünfköpfige Familie fotografisch zu porträtieren. Er hinterlässt eine beeindruckende Ansammlung an Farbdias, die von seiner fotografischen Begabung und dem Zeitraum seines Schaffens (1953 bis 1963) Zeugnis trägt. Seine Kinder und Frau hält Hans Feil kunstvoll inmitten einer farbenfrohen und musterreichen Komposition als auch in schlichten und stillen Landschaften fest. Trotz seiner emotionalen Nähe komponiert er diese bisher unveröffentlichten Fotos zu Stillleben und entzieht ihnen den Anschein des Privaten.

Angela Masoch, September 2019